Mein Name ist Václav Bednář und ich bin bildender Künstler.
Der bildenden Kunst stand ich bereits im Vorschulalter nahe. Ich malte sehr gern und war überaus verspielt – etwas, das mir bis heute geblieben ist.
Mein Großvater Václav Busta besaß eine wunderschöne Sammlung von Antiquitäten, und durch ihn wuchs ich in der Nähe schöner Dinge auf. Er prägte mir einen Sinn für das Detail ein. Ich bewunderte die alten Meister und träumte davon, eines Tages selbst Maler zu werden. Mein Großvater war mir stets ein Halt, und das stärkte mein Selbstvertrauen, meinen eigenen Weg zu gehen – auch in späteren Zeiten, in denen der Malerberuf sehr unsicher schien. Dadurch überbrückte ich jene Zeit der Qual: die Wahl zwischen Sicherheit und Freiheit. Mir wurde bewusst, dass derjenige, der bedingungslose Freiheit will, niemals Sicherheit hat. Und das gilt auch umgekehrt.
Meine Leidenschaft liegt im freien Schaffen mit ungewissem Ausgang – also in der Suche nach neuen Wegen mit dem nötigen Maß an Mut und Experiment. Im experimentellen Schaffen tritt der Zufall sehr oft entweder als Mitautor in Erscheinung oder als Wegweiser in Richtung neuer Möglichkeiten und Formen des Schaffens.
Dieses Suchen ist eine nicht aggressive Form der Kunst, und Ästhetik wie Feingefühl spielen darin eine Schlüsselrolle. Das Werk trägt dann eine starke Ladung in sich, selbst ohne aggressive Mittel wie etwa Trotz, Schock oder Provokation.
Jeder weitere Schritt ist so aufregend, dass es unklug wäre, damit aufzuhören. Zudem droht man, wenn man an einem Ort verharrt, sich im Kreise zu verirren. Deshalb ist die Verspieltheit so wichtig, dank derer ich nie lange irgendetwas treu bleibe und mich nicht allzu lange dem widme, was mich gerade begeistert hat. Das Ideale ist, es zu genießen und dann, im besten Moment, weiterzuziehen.
Würde ich an etwas festhalten, würde es mich ohnehin bald verlassen, und ich fände den weiteren Weg nicht … Es ist wie bei einem rollenden Reifen … er fällt und richtet sich nicht mehr auf. Ich muss jeden Tag arbeiten …
Meine Tätigkeit, scheinbar einseitig, eröffnet ein Labyrinth intuitiver Eindrücke und eine Zuneigung zu verwandten Formen des Schaffens in tieferer Erkenntnis. Deshalb verstehen sich verschiedene Künstler, Erfinder, Wissenschaftler und andere „Verrückte" stets so ausgezeichnet – Menschen, die, hätten sie nicht ihre eigenen Welten und dächten sie rein rational, niemals ihre Werke geschaffen oder ihre Entdeckungen gemacht hätten, weil ihnen das Motiv gefehlt hätte.
Für mich ist das wesentliche Motiv der schöpferische Prozess selbst, und meine abstrakten Welten aus Formen und Farben sind mir eine Zuflucht – ein Ort, an den ich vor meiner eigenen Einsamkeit fliehe.
Václav Bednář