VÁCLAV BEDNÁŘ ART

Out of Control

Out of Control

Wie entstand die Marke Out of Control? Die ersten Kleidungsstücke, die ich bemalte, waren alte Hemden meines Großvaters. Immer wenn ich etwas fertig gemalt hatte, blieben auf der Palette noch ein paar Farben übrig, die ich entweder abgewaschen oder in einen Lappen gewischt hätte. Das tat mir leid, also verwendete ich sie für das, was ich gerade zur Hand hatte, und nach und nach begann ich, meine eigene Kleidung zu bemalen, und teilte das auf Facebook, wenn ich mich neben einem Bild fotografierte, damit die Leute eine Vorstellung von dessen Größe bekamen. Allmählich begannen sie, die Fotos meiner T-Shirts immer öfter in verschiedenen Fangruppen zu teilen, bis die Marketingmanager und die Stones selbst darauf aufmerksam wurden. Ich habe sie in meinem Leben nirgendwo angeboten. Die Leute fügten mich als Freund hinzu und schrieben mir von sich aus, dass sie ein T-Shirt haben wollten. Ich freute mich darüber und es gefiel mir, auf der Landkarte zu suchen, wo überall auf der Welt Menschen in T-Shirts herumlaufen, die ich bemalt hatte. Anfangs verschickte ich sie umsonst, und die Beschenkten legten mir ans Herz, dass jeder, der sie sieht, eines haben will, und dass ich mindestens 100 Dollar pro Stück verlangen müsse, dass ich ein richtiger Verrückter sei, wenn ich sie weiter verschenkte, während ich kaum das Geld für Farben hatte. Seither schickte ich den Kunden also zusammen mit dem T-Shirt eine Nachricht, dass sie, wenn sie wollten, 100 Dollar oder 100 Euro zahlen könnten. So begann es eigentlich.

Und wie kam es zur Verbindung mit den Rolling Stones? Ich verschickte T-Shirts in die ganze Welt, vor allem aber nach Amerika. Ich schickte sie als Einschreiben, denn ein T-Shirt in einem Pizzakarton bleibt innerhalb der Gewichtsgrenze. Einmal schickte ich ein T-Shirt nach Texas, und zwei Wochen später kam ein begeisterter Brief in meinen Briefkasten, und darin 300 Dollar. Also schickte ich noch zwei weitere. Der Absender war ein Mann namens Vaughn Donaldson. Postwendend kam von ihm ein großes Paket mit einer seltenen Lederjacke der RS Voodoo Lounge Tour ’95, wie sie Keith Richards trug, und weiteren Geschenken und einem Schreiben: „Wir fliegen mit der ganzen Truppe nach Prag, wenn die Stones spielen. Machen Sie uns dreißig von diesen T-Shirts? Ich schreibe die Namen und Größen auf."

Die Stones und die Gruppe treuer Fans und Freunde, die mit ihnen zu allen Konzerten fliegen und bereits unzählige Tourneen mitgemacht haben, wohnten in Prag im Hotel Four Seasons und im Hotel Paříž. Ich fuhr mit dem Bus nach Prag, mit zwei großen bemalten Koffern, vollgestopft mit T-Shirts in Pizzakartons, und ahnte nicht, was mich erwartete. Als ich ins Hotel kam, kam ich mir vor wie im Märchen. So etwas hatte ich bis dahin nie erlebt. An der Rezeption lag eine Reservierung für mich bereit, der Portier griff nach meinem Koffer und begleitete mich in die zentrale Suite genau an der Vorderseite einer wunderschönen Jugendstiltreppe, die man nicht verfehlen kann. Sofort rief ich Kačenka an, sie solle kommen, wir hätten ein bezahltes Fünf-Sterne-Hotel.

Und das für eine ganze Woche! Als sie später zusammen mit unserer Freundin Eva eintraf, sprangen sie auf dem riesigen Hotelbett herum wie Kevin im Film Allein zu Haus. Inzwischen kam der erwähnte Vaughn Donaldson, ein Texaner aus Midland, der den Koffer voller T-Shirts bestellt hatte, und brachte in meine Suite eine Schar von etwa dreißig Freunden, für die die T-Shirts bestimmt waren. Vaughn selbst trug Unterhemden, weil seine Arme vollständig tätowiert waren. Auf dem einen das Logo der Rolling Stones mit den Namen aller Tourneen, auf denen er gewesen war, und auf dem anderen Logos der Rolling Stones, von denen jedes auf der herausgestreckten Zunge die Flagge eines Landes trug, das er in der Zeit seiner Reisen mit den Rolling Stones besucht hatte. Alle freuten sich riesig über die T-Shirts, und wir genossen die Stones und Prag. Bevor sie abflogen, fragten sie mich, zu wie vielen Konzerten ich im nächsten Jahr nach Amerika zur nächsten Tour kommen würde. Ich sage: „Ich kann es mir nicht leisten, einfach so über den Ozean zu einem Konzert zu fliegen …" Alle fingen an zu lachen und sagten dann: „Für diese T-Shirts bezahlen wir dir das Hotel, und wenn du ein T-Shirt gegen eine Karte anbietest, dann streiten wir uns darum, wer dir die beste kauft. Machst du mit?" Klar habe ich mitgemacht! Und sie flogen nach Warschau zur nächsten Show.

Ich arbeitete derweil so fleißig, dass man mir PayPal sperrte, im Verdacht, ich unterstütze den Terrorismus, weil auf meinem Konto kleine Beträge aus aller Welt eingingen, und das sei angeblich verdächtig. So konnten mir die Leute die T-Shirts nicht bezahlen, aber alle wussten, dass ich nach New York fliegen würde, und wollten sich dort treffen. Ein Jahr später kaufte ich mir die Flugtickets und flog mit Koffern voller T-Shirts hinüber. Ich hatte ein bezahltes Hilton. Beim Konzert erwartete mich eine weitere Überraschung. In Amerika war ich zum ersten Mal, ich erwartete nicht, dort an einem öffentlichen Ort jemanden Bekannten zu treffen. Ich dachte nicht daran, dass ich auf Facebook fünftausend Freunde habe, was die Grenze ist, die anderen aber Follower sein können. Bei diesem Konzert waren hundertzwanzigtausend Menschen. Ich ahnte es überhaupt nicht. Ich stehe da in Lumpen, die ich selbst bemalt hatte, und höre: „Václav! Václav!" Sie sagen ja Waklav. (Lächeln) Scharen von Menschen wollten sich mit mir fotografieren, viele Leute stopften mir Dollar in die Taschen. Da springt einer heran und drückt mir 200 Dollar in die Hand. Noch einer springt heran, 100 Dollar. Es waren Menschen, die die T-Shirts hatten, mir das Geld aber wegen der Kontosperrung nicht schicken konnten. Sie fotografierten sich mit mir, zogen mich in jene Fangruppen hinein, die zwei Tage vor dem Konzert mit dem Grill auf einen betonierten Parkplatz fahren und warten. Verrückte, aber feine Leute. Vom Konzert ging ich mit Dollar vollgestopft wie eine Martinsgans, und zum Hotel brachte mich ein riesiger Bus argentinischer Fans mit Rolling-Stones-Aufschriften. Im Hotel warteten bereits Michael Santoro und Rob Fraboni auf mich, beide stehen den Rolling Stones nahe, mit Keith Richards sind sie überdies Nachbarn in Weston in Connecticut wie auch in Ocho Rios auf Jamaika. Rob Fraboni ist ein bedeutender amerikanischer Produzent, der nicht nur die Rolling Stones, sondern viele weitere Musikgrößen produziert hat. Am Ende blieb ich etwa einen Monat in Amerika, und es dauerte nicht einmal ein halbes Jahr, da flog ich wieder hin, diesmal zu Weihnachten, aber das ist schon ein weiteres Abenteuer …